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Ausgewählte
Filme beim vorigen Filmfestival, Dezember 2009
Nanook of the North
Live-Performance mit Shirley Anne Hofmann – "Der
Eskimo und die Tubistin"
Dokumentarischer Spielfilm USA 1922
Regie:
Robert F. Flaherty
Darsteller/innen:
Nanook, Nyla und ihre Kinder
79 Min, Originalfassung (Stummfilm)
Im Jahre 1920 drehte der Filmemacher Robert J. Flaherty das erste große
Meisterwerk in der Geschichte des Dokumentarfilmes im Nordosten der Hudson
Bay. Für "Nanook of the North" lebte Flaherty zwei Jahre
mit den Inuit. In liebevollen, allerdings auch romantisierenden Bildern schildert
er den Alltag Nanooks und seiner Familie, ihre Jagdgewohnheiten und ihren
Kampf gegen die Natur.
Flahertys dynamische Kamera und sensible Beobachtungsgabe
revolutionierten damals den Dokumentarfilm. Heute hat dieser Film, der damals
die Welt begeisterte, nichts von seiner Faszination verloren. Im Gegenteil,
im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, sind die arktischen Bilder Flahertys
heute aktueller den je!
"Nanook of the North" kam 1922 in die
Kinos und wurde zum Publikumserfolg und Kultfilm.
Die eingeschweizerte Kanadierin
Shirley Anne Hofmann ist bekannt geworden durch ihr Soloprogramm "Euphoria",
durch ihre Zusammenarbeit mit der deutschen Kultband "The Blech",
der Walliser (CH) Punk-Jodlerin Erika Stucky ("Heimatklänge")
und des slowenischen Akkordeonisten Bratko Bibic ("Accordion Tribe").
Die
Multiinstrumentalistin kombiniert ihr Blechinstrumentarium mit heutiger Technologie
(live sampling) und verleiht damit den unvergesslichen Bildern Flahertys
eine congeniale Dimension. Songs, Improvisationen, Spielwitz und Lebenslust
laden ein zu einem musikalischen und cinematographischen Erlebnis für
Klein und Gross.
Bury
My Heart At Wounded Knee
Literaturverfilmung nach Motiven des gleichnamigen Romans von Dee Brown
Spielfilm,
USA 2007
Regie:
Yves Simoneau
Darsteller/innen:
August Schellenberg, Adam Beach, Anna Paquin u. a.
130 Min, Originalfassung
Das Vordringen von Siedlern und Abenteurern in den sogenannten Wilden
Westen brachte den amerikanischen Ureinwohnern Vertreibung, Hunger, Tod
und Ausrottung. Hier wird die Geschichte des amerikanischen Westens neu
erzählt und viele Legenden werden dabei als Lüge entlarvt.
In der Handlung des Films geht es hauptsächlich um die Geschichten
von drei Personen: Charles Eastman, ein junger gebildeter Sioux Doktor,
der für einen Beweis des angeblichen Erfolges der Assimilation gehalten
wird, Sitting Bull, der stolze Lakota-Häuptling, der es ablehnt,
die politischen Richtlinien der US-Regierung zu akzeptieren, und für
die Identität und die Würde seines Volkes, sowie für ihr
Recht auf ihrem Land kämpft, und Senator Henry Dawes, der für
die Indianer-Politik verantwortlich war...
Adam Beach wurde als Bester
Schauspieler der Kategorie "Fernsehfilm/Drama" 2008 mit dem Golden Globe
ausgezeichnet.
Before
Tomorrow
Literaturverfilmung nach einer Novelle des dänischen Autors
Jørn Riel
Spielfilm Kanada 2008
Regie: Marie-Hélène Cousineau u.
Madeline Piujuq Ivalu
Darsteller/innen: Madeline Piujuq Ivalu, Paul-Dylan
Ivalu, Peter Henry Arnatsiaq
92 Min. Originalfassung (Inuktitut) mit englischen
Untertiteln
Im Sommer des Jahres 1840 treffen sich zwei isolierte Inuit-Familien
nach Jahren wieder. Die Freude darüber ist groß. Es wird gefeiert,
junge Menschen heiraten und die Ältesten erzählen Geschichten
und Gerüchte von fremden Eindringlingen mit weißer Hautfarbe,
die angeblich gesichtet worden seien. Trotz der Feierstimmung ist die
alte und weise Ningiuq sehr besorgt und hat böse Vorahnungen. Ein
fremdartiger Gegenstand wird im Lager entdeckt und Kutuguk, Ningiuqs
beste Freundin, wird schwer krank.
Nach einem erfolgreichem Fischfang
transportieren Kutuguk, Ningiuq und ihr Enkelsohn Maniq die Fische freiwillig
mit einem Boot auf eine entlegene Insel, um sie dort zu trockenen. Auf
dem Eiland ist der Fang vor Wölfen und anderen wilden Tieren sicher.
Bei dem Aufenthalt auf der Insel stirbt Kutuguk und die Jäger, mit
denen sich die Drei auf der Insel treffen wollten um gemeinsam zum Lager
zurückzukehren, tauchen auch nicht auf. In großer Sorge beschließen
Ningiuq und Maniq, alleine zum Camp aufzubrechen.
Nach ihrer Rückkehr
müssen sie voller Entsetzten feststellen, dass ihre Familie und
alle Bewohner des Lagers einer schlimmen Krankheit zum Opfer gefallen
sind. Neben den toten Körpern entdecken sie Stahlnadeln und Zinnkrüge.
Aus großer Angst und um sich vor Ansteckung zu schützen, kehren
Großmutter und Enkelsohn mit ihrem Boot auf die Insel zurück.
Die Einsamkeit und Trauer ist groß, und die Frage stellt sich,
ob sie alleine in der Eiswüste überleben können oder ob
beide dem Tod geweiht sind.
Der Spielfilm wurde in den Jahren 2006 und 2007 in abgelegenen Orten
ganz im Norden der kanadischen Provinz Quebec gedreht. Die Produktion
ist in Kooperation mit Igloolik Isuma Productions und dem Arnait Video
Kollektiv entstanden. Inzwischen wurde Before Tomorrow bereits
auf mehreren internationalen Festival als "Bester Film" ausgezeichnet.
Trudell
Dokumentarfilm, USA 2005
Regie:
Heather Rae
Produzenten: Russel Friedenberg, Angelina Jolie, Rob Ganger u. a.
80 Min, Originalfassung
Mehr als 13 Jahre benötigte die Filmemacherin und ehemalige Schauspielerin
Heather Rae, um ihr filmisches Portrait über den indianischen Aktivisten,
Poeten, Schauspieler (u. a. "Thunderheart") und Musiker fertigzustellen.
Beginnend
mit der Besetzung der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz,
und als ein Sprecher des American Indian Movement (AIM) dokumentiert
die Filmemacherin wichtige Stationen seines Lebens. Bei ihren Recherchen
findet sie bisher unveröffentlichtes Filmmaterial und stellt fest,
dass das FBI seit 1970 eine über 17 000 Seiten starke Akte über
den angeblich unberechenbaren und subversiven Aktivisten führt.
Heather Rae kombiniert geschickt Archivaufnahmen mit Interviews prominenter
Persönlichkeiten wie z. B. Robert Redford, Jackson Browne, Bonnie
Raitt etc. mit denen John Trudell befreundet ist.
John Trudell
(Santee Sioux), den sein Schauspielerkollege Gary Farmer als indianischen
"Socrates" bezeichnet, wurde 1946 in Oklahoma,
Nebraska, geboren. 1979 verbrannte er in einem symbolischen Akt die US-Flagge
vor dem FBI-Hauptquartier in Wahington D. C., um gegen die Indianerpolitik
der US-Regierung zu prostestieren. Bereits auf der Rückfahrt zu
seiner Familie nach Nevada erfuhr er, dass bei einem Brand sein Haus
zerstört und seine Frau, seine drei Kinder sowie die Schwiegermutter
ums Leben kamen. Vermutungen, dass das FBI hinter dem Brandanschlag steckt,
konnnten bis heute nicht geklärt werden.
Pura Fe - Hold the Rain
Musik-Video, USA 2007
Produzentinnen: Laura Milliken, Jennifer Podemski
Regie: Patricia de Gorostarzu & Fabrice Peltier
12 Min, Originalfassung
Taj Mahal und andere namhafte Musiker bezeichnen Pura Fe als außergewöhnliche
Sängerin mit phänomenaler Stimme. "Pure Faith", wie
sie auch auf Englisch genannt wird, gehört dem Deer Clan an. Als Tochter
eines Puerto Ricaners und einer indianischen Mutter (Tuscarora), wuchs
sie gemeinsam mit sieben Schwestern in New York City auf. In ihrem Musikvideo
erzählt sie, dass das Singen schon immer einen besonderen Stellenwert
in ihrer Familie einnahm, da sowohl ihre Mutter als auch ihre Tanten den
Gesang als Lebenselexier betrachteten.
Pura Fe war Mitbegründerin der bekannten indianischen A-Capella
Formation „ULALI“, bevor sie eine Solokarriere startete.
Sie tourt sehr oft in Frankreich und war ebenfalls zu Gast beim international
renommierten "Stimmenfestival" in Lörrach.
The Exiles
Dokumentarischer Spielfilm, USA 1961
Regie: Kent Mackenzie
Darsteller/innen: Yvonne Williams, Homer Nish, Tommy Reynolds u. a.
72 Min, Originalfassung
Wie viele anderer ihrer Generation von "Native Americans" ist Yvonne
in einem Reservat aufgewachsen und dann nach Los Angeles gezogen. Mit ihrem
Mann Homer und fünf weiteren jungen Indianern teilt sie sich eine Zweizimmerwohnung.
Seit Yvonne schwanger ist, kreisen ihre Gedanken um die Zukunft, ihre eigene
und die des Babys. Die Männer hingegen leben von den flüchtigen Kicks,
die sie in den rastlosen Nächten auf den Straßen der Downtown und
in den Main-Street-Bars finden.
Nach jahrelangen Recherchen in der Native American Community von Los Angeles
begann Kent Mackenzie 1957 mit seinen Protagonisten die Arbeit an The Exiles.
Der drei Jahre später fertig gestellte Film ist einer der ersten – und
bis heute wenigen – über junge Indianer in der Großstadt.
Für seinen empathischen Dokumentarismus hat Mackenzie poetische Formen
fern jeder Romantisierung gefunden.
Das zeichnerische Gespür für
das nächtliche Los Angeles, die Verwendung von Interviews mit den Darstellern
als innere Monologe der Protagonisten und der aus Radios und Jukeboxes einfließende
Soundtrack der Rock’n’Roll-Band "The Revels" machen
The Exiles zu einem Meisterwerk von großer Schönheit und Integrität.
Mit seiner Restaurierung schließt sich eine weitere Lücke in der
Geschichte des unabhängigen Kinos.
Ausgewählte
Filme 2007
Smoke Signals
Spielfilm, USA 1998
Regie: Chris Eyre
Darsteller/innen: Adam Beach*, Evan Adams, Irene Bedard, Gary Farmer,
Tantoo Cardinal, Monica Mojica
89 Minuten, deutsche Fassung
Klassisches Roadmovie, das von einer authentischen
Atmosphäre
getragen wird und unaufdringlich die Frage thematisiert, ob Schuld
vergeben werden kann. Victor (Adam Beach) und Thomas (Evan Adams) sind
zwei sehr unterschiedliche Jugendliche aus einer Indianerreservation
in Idaho. Victor ist der stoische, gutaussehende Sohn eines Alkoholikers,
der vor Jahren die Familie verlassen hat.
Thomas ist ein extrovertierter,
aber etwas ungelenker junger Mann, der bereits als Kind beide Eltern
in einem Brand verloren hat. Nachdem Victor vom Tod seines Vaters
in Phoenix, Arizona, erfährt, begeben sie sich zusammen auf die Reise,
um dessen sterbliche Überreste in die Heimat zu holen. Dabei erfahren
die beiden Jungen, was sie trennt, und was sie in ihrer Gegensätzlichkeit
voneinander lernen können. Smoke Signals, das Debüt von
Regisseur Chris Eyre, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.
Die Abenteuer des kleinen Indianerjungen
Little Tree
(Schulfilmveranstaltung)
Spielfilm, Kanada 1997
Regie: Richard Friedenberg
Darsteller/innen: Joseph Aston, Tantoo Cardinal*, Graham Green u.a.,
111 Min, deutsche Fassung
Die Literaturverfilmung von „Der Stern der Cherokee“ spielt
1935 in Tennessee: Nach dem Tod seiner Mutter wird der achtjährige
Cherokee-Junge „Little Tree“ zu seinen Großeltern
in die Berge gebracht. Die alten Leute unterrichten ihn in indianischer
Tradition und darin, im Einklang mit der Natur zu leben. Als die Behörden
auf den Jungen aufmerksam werden, weisen sie ihn zur Umerziehung in
eine Missionsschule ein. „Little Tree“ vermisst seine Familie
und das naturbestimmte Leben.
Wegen einer Äußerung im Biologieunterricht
wird der Junge bestraft und einige Tage in einen dunklen Raum eingesperrt – bei
Wasser und Brot. Der Großvater hilft „Little Tree“ aus
dem Internat zu fliehen.
* Adam Beach und Tantoo Cardinal stehen auf
der Gästeliste für
INDIANER INUIT: DAS NORDAMERIKA FILM FESTIVAL 2007.
Is The Crown At War With Us?
Dokumentarfilm, Kanada 2002
Regie: Alanis Obomsawin
Produziert für das National Film Board, Kanada
96 Min
Eine politische Dokumentation, gedreht von Alanis Obomsawin (Abenaki),
der wohl bekanntesten kanadischen Filmemacherin. Staatlich eingesetzte
Fischerei-Aufseher versuchen im Jahr 2000 den Fang der in der kanadischen
Provinz New Brunswick lebenden Esgenoopetitj Mi`gmaq mit roher Gewalt
streitig zu machen, obwohl den Indianern die Fischereirechte seit dem
18. Jahrhundert zustehen.
Alanis Obomsawins Dokumentarfilm, der den
alltäglichen Kampf der
Indianer für ihre Rechte und die damit einhergehenden, energieraubenden
Auswirkungen des Bürokratismus zeigt, wurde auf vielen Festivals
mit Preisen ausgezeichnet.
I´m
A Lucky One (Tru Rez Crew)
Musik-Video, Kanada 2003
Produzentinnen: Laura Milliken, Jennifer Podemski
Regie: Randy Redroad
3 Min, englische Originalfassung
Im Mittelpunkt des 3-minütigen Videos stehen sieben junge Hip-Hopper,
die 1999 zunächst als Party-Band auftraten und schon bald sehr
erfolgreich wurden. Inzwischen haben die Gruppenmitglieder, die alle
im „Grand River – Six Nations Reservat“ in Ontario
aufgewachsen sind, zwei CDs veröffentlicht. Ihr Album „Ain`t
No Turnin`Back“ mit dem Song „I`m a Lucky One“ gewann
zwei der begehrten Canadian Aboriginal Awards.
Als Background-Stimme
unterstützt Lucie Idlout (Inuit), die
in Nordamerika bekannte Rock- und Soul-Sängerin, die „Tru
Rez Crew“.
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